miniliteratur (dt. Kleinstbuchstaberei): Literarische Texte, die skizzenhaft, unvollständig und fehlerhaft sind. Wegen ihrer mangelhaften künstlerischen Qualität nicht für eine öffentliche Publikation in einem Verlag geeignet. Dienen oftmals als Anschauungsbeispiel schlechten Stils und minderer sprachlicher Güte.

  • Alltag

    Ich ging über eine dieser verstrahlten beinahe-hochglanz Einkaufsstraßen. Dinge kaufen, kaufen! An den Straßenrändern junge Punks, zwei, mit Kaffeebechern zum Betteln. Immerhin. Okay, eine der beiden sieht mehr nach Goth aus. Gibt‘s die noch? Würde ihnen ja einen Kaffee ausgegeben oder besser noch eine Art Kommune, in der sie so frei und sicher leben können, wie sie nur wollen. Leider arm. Der alte Witz erheitert mich kurz: besser Arm dran, als Arm ab.

    Im Buchladen schließlich tummeln sich unterschiedlichste Geschöpfe. Muss ich mir schon keine Sorgen machen, zu unangenehm aufzufallen. Apropos: Mir fällt auf, dass es seltsam ist, wie die Unendlichkeit der versammelten Gedanken in ein einzelnes, eigentlich unscheinbares Gebäude passt. Wenn es nur einen klugen Weg gäbe, diese Menge an Perspektiven nutzbar zu machen.

    Wieder draußen schlendere ich an einer kränklich klein scheinenden Menge Streikender vorbei. Aus dem Gesundheitswesen. Gut so, denke ich mir. Und fühle einen unbestimmten Drang „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“ zu rufen. Das fänden die sicher nicht so witzig wie ich. Außerdem würde ich dann Aufmerksamkeit auf mich lenken, das geht auf keinen Fall. Also lass‘ ich‘s mal lieber.

    Vor der Filiale einer Bank, die mal Post gewesen sein könnte, bedient mich ein freundlicher Automat und versorgt mich mit Briefmarken. Wechselgeld in Briefmarken. Darauf muss man erst einmal kommen: kleiner Drucker, kleine Fetzen buntes, irgendwie klebriges Papier, bitteschön! Wenn‘s Dir nicht gefällt, geh‘ eben woanders deine bescheuerten Briefmarken kaufen. Jetzt habe ich drei Briefmarken mehr, als ich eigentlich wollte: eine für fünf Cent, zwei für zehn Cent. Wollen die mich zum Briefmarkensammeln animieren? Soll ich noch mehr Wechselgeldbriefmarken abwarten, damit es für einen Standardbrief reicht? Es würde mich nicht überraschen, wenn der, die oder das Verantwortliche für diese Automationsblüte darüber länger als eigentlich gut für ihn/sie/es gewesen wäre nachgedacht hat. Mich beschäftigt es ebenfalls. Für eine überraschend lange kurze Weile.

  • Heimkehr

    Im Rausch des Seins verzagte Trippelschritte,
    in stetem Klang der Rufende verhallt,
    aufbegehrend trotz der Grenzen aller Dinge,
    feurig das Herz und der Verstand eiskalt.

    Im Wechselspiel des Reigens öder Wege
    erscheinen die Atlanten wie vom Olymp geschickt,
    erweisen sich als Traum im Nachtgewande,
    der nie den ersten Sonnenstrahl erblickt.

    Und wenn man einst die Blicke rückwärts wendet,
    in stummer Heimkehr in den Schoß des Alls,
    ist nichts vom Nachtalp mehr geblieben
    als seufzendes Vergessen des eig‘nen ungebremsten Falls.

  • Denksport? Muss man da was bewegen?

    Die unsichtbare Hand kratzt mich am Kopf,
    während der Weltgeist mir einen Schrecken einzujagen gedenkt,
    wenn er dann mal soweit gewesen sein wird.

    Im Zuge dieser oder jener Dialektik
    fällt mir das letzte Ei runter und ich kann endlich sagen:
    Huhn oder Ei? Weder noch! Kuchen!

    Auf dem Kuchen, hier, jetzt, Streusel.
    Unter‘m Kuchen, hier, jetzt, Teller.
    Ist doch Quark(s)! Und erwartet gesetzmäßig in theoriegeladener Beobachtung. Besonders lecker mit Statistik.

    Da kann mir jeder aus der Sonne gegangen haben. Oder sein.
    Ich weiß ja auch nicht. Da ist man übrigens auf der sicheren Seite, du altes Schlitzohr.
    Anything goes! Nur der harte Kern bleibt.