Sie sitzt mit Dir auf eurer Bank. Inmitten des blühenden Parks, in dem Blumenbeete sich an Brillanz und Glanz zu überbieten suchen und ein lauer Frühlingswind die Wipfel der zahlreichen Buchen sanft umspielt. Du siehst sie an, ihr Blick gesenkt und Dein Herz beginnt wie wild zu rasen. Heute ist sie so still wie sonst nie. Momente verstreichen, in denen Du nicht davon ablassen kannst, ihr Gesicht mit Deinen wandernden Augen zu erkunden, Dir jede Einzelheit als Orientierungshilfe einzuprägen, als wäre dies der Schlüssel zum Überleben in der asphaltgrauen Wildnis, die Du Tag um Tag durchqueren musst. Langsam wandert eine milde Röte auf ihre Wangen. Sie hebt ihr Antlitz, hält Deinen Blick für schleichende Sekunden, ihre grünen Augen funkelnd klar. Und doch von einem dunklen Schleier umrahmt, der ansetzt, sich über sie zu legen, so wie die Dunkelheit der Nacht gemächlich aber unaufhaltsam euren Park in Schatten taucht.
Schließlich durchbrichst Du die Stille. „Gibt es etwas, das Dich bedrückt?“ fragst Du, vielleicht zu zaghaft. Sie spricht nicht gleich und seufzt leise, bevor sie erwidert: „Es kann so nicht weitergehen. Du kennst meine Familie. Und weißt, wie sie denken.“ Etwas Kaltes greift nach Deinem Herz. Lang gehegte Furcht fegt durch Deinen Verstand, Verzweiflung stiehlt sich auf Deine Züge. Du siehst den Schmerz in ihren Augen, Deinen eigenen spiegelnd. Noch bevor Du dem ersten Gedanken Gestalt verleihen kannst, steht sie schlagartig auf. „Du…“ beginnt sie, „Ich… Aber wir können nicht!“ und wendet sich ab, ihre Tränen zu verbergen. Sie stürmt davon, rennt beinahe. „Warte! So warte doch…“ ist alles, was Du ihrer schwindenden Silhouette hinterherzurufen vermagst. Zu schnell ist sie Deinem Blick entschwunden.
Du starrst in die sternenbefleckte Dunkelheit um Dich, in Dir. Gedanken ebben und branden, springen und stürzen im Staccato der Emotionen, die Dich beherrschen. Du stehst auf, fährst mit Deiner Hand durch Dein wallendes Haar und streichst Deinen Rock glatt. Nach den ersten hundert Schritten hebt sich die Schwere auf Deiner Brust zaghaft. Liebe findet einen Weg.